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Die Macht der Musik

Mit Wagners „Ring“ zur Expo nach Shanghai

 Dr. Bernd und Cecilie Kregel im Gespräch mit dem

Kölner Generalmusikdirektor und Gürzenich-Kapellmeister Markus Stenz

Wie bereits bei den Olympischen Spielen präsentiert sich China auch in diesem Jahr auf der „Expo 2010“ in Shanghai von seiner beeindruckendsten Seite. „Better city, better life“, lautet das Expo-Thema, das die teilnehmenden Länder einlädt, in einem weltweiten  Kreativwettbewerb über die Lebensbedingungen der Zukunft nachzudenken.

 

Eine der größten Überraschungen aus deutscher Sicht stellt jedoch die chinesische Einladung an die Stadt Köln dar, in diesem Zusammenhang – gleichsam als Höhepunkt des künstlerischen Rahmenprogramms - Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ in Shanghai aufzuführen. Jenes monumentale Gesamtkunstwerk in vier Aufführungsteilen mit der stattlichen Anzahl von mehr als dreihundert Mitwirkenden.

 

Diese Einladung, so macht Markus Stenz (Foto), Generalmusikdirektor der Stadt Köln und Kapellmeister des Kölner Gürzenich-Orchesters deutlich, ist erwachsen aus einer drei Jahre zurück liegenden erfolgreichen Konzertreise mit seinem Orchester nach China. Bereits im März 2008 erhielt Kulturdezernent Prof.  Quander dann die offizielle Einladung zu dem Gastspiel.  Sicherlich eine Gelegenheit mit Ausnahmecharakter, die sich so schnell nicht wieder bietet. Denn Wagners „Ring des Nibelungen“ wird zudem das erste Mal überhaupt in der chinesischen Metropole aufgeführt.

 

Mit Spannung wird die Reaktion des Publikums auf die Shanghai-Premiere erwartet. Kein Werk in der Opernliteratur entwickle eine ähnlich hypnotische Wirkung wie Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Und mehr noch als die einzelnen Handlungsstränge in Wagners Libretto wirke die Macht der Musik. Dies habe sich auch im frenetischen Kölner Schlussapplaus gezeigt, besonders im Anschluss an die „Walküre“ und die „Götterdämmerung“. Man hatte den Eindruck, dass das Kölner Publikum auf einer tiefen, v.a. musikalisch-emotionalen Ebene berührt werde. Und genau dieses tiefere Verständnis erschließt sich sicher auch dem Publikum in Shanghai. In jener Metropole, die als Schmelztiegel erwachsener und neugieriger Kultur vielen anderen an Dynamik und Aufgeschlossenheit weit voraus sei. Für ihn gebe es gegenwärtig „keinen magnetischeren Ort als Shanghai“.

 

Es ist die bereits bewährte Inszenierung von Robert Carsen, die neben der Untugend des Machtmissbrauchs vor allem die Gier aufs Korn nimmt. Jene Fehlhaltung des Menschen, den die Gesetze der Natur gleichgültig lassen, selbst wenn er damit seine eigenen Lebensgrundlagen zerstört. Es sind die universellen Themen wie der Umgang mit Macht und Ressourcen, Verantwortung und Verantwortungslosigkeit, Verrat und Meineid, die in Robert Carsens Produktion bildgewaltig gezeigt werden. Und dennoch lässt Carsen selbst noch in der „Götterdämmerung“ Raum für die Hoffnung auf einen Ausweg in eine lebenswerte Zukunft.

 

 

Ein Riesenprojekt solchen Zuschnitts hat natürlich auch seinen Preis. Zum Glück seien Rücklagen aus früheren Zuwendungen der Stadt Köln vorhanden, und auch die chinesische Seite sei in finanzieller Hinsicht sehr entgegenkommend. Und es ist nicht allein der „Ring“, der in dem Einladungspaket enthalten ist. Hinzu kommen mehrere Aufführungen des neuen Kölner „Don Giovanni“ sowie zusätzliche Orchesterkonzerte. „Nie mehr wird es ressourcenfreundlicher, ein so umfangreiches Gastspiel durchzuführen.“

 

Mitte September ist es dann soweit. Am 16.-19.9 und am 21.-24.9. kommen die beiden Zyklen des „Rings“ im Grand Theatre von Shanghai zur Aufführung, einem der repräsentativsten Gebäude der Stadt. Erbaut von dem französischen Architekten Charpentier in Form eines prächtigen Kristallpalastes mit weit ausladendem Dach, trifft es – speziell mit seinen nächtlichen Lichteffekten – östlichen und westlichen Geschmack in gleicher Weise. In der Tat ein angemessener Ort für ein außergewöhnliches Programm!

 

Danach  steht Mozarts „Don Giovanni“ in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg auf dem Programm. Dieses Mal im National Center for the Performing Arts in Peking vom 29.9.-1.10. Und abschließend das Eröffnungskonzert des Macao International Music Festival im Macao Cultural Center am 3.10.2010.

 

Und sind bei dieser Vielfalt der Auftritte bereits auch entsprechende Gegenbesuche der chinesischen Seite in Köln geplant? Mit dem betretenen Neuland müsse man sich erst langsam vertraut machen. Vielleicht  jedoch würden China-Tourneen in beide Richtungen eines Tages zum Alltag des Klassik-Marktes gehören.

 

Nun jedoch, am Ende der Spielzeit, gelte es erst einmal, die Theaterpause zu nutzen, um sich anschließend mit frischen Kräften in den Fernen Osten auf den Weg zu machen. Ist es eher die musikalische Abenteuerlust oder die organisatorische Aufbruchstimmung, die da aus Markus Stenz hervorblitzen? So bleibt am Ende des Gesprächs noch der Wunsch für einen ebenso großen Erfolg in den chinesischen Konzertsälen wie in der heimischen Kölner Oper.

Rheinkultur

Das „Kameha Grand Bonn“ als neues Kunstzentrum

Von Dr. Bernd Kregel

Als dunkle Schatten wie in einem Traum aus Wasser und Licht gleiten sie schwerelos dahin: das schwimmende Pferd und sein Reiter, der sich – Halt suchend – an dessen Mähne festkrallt. Ungewöhnlich an diesem Bildmotiv ist vor allem die Blickrichtung. Denn der Betrachter sieht Ross und Reiter aus der Froschperspektive, sodass sich deren Silhouetten vom Blau des Himmels abheben und vom blitzenden Licht der Sonne umspielt werden.

Ein anderes Motiv stellt eine in wallende weiße Gewänder gehüllte Frauengestalt dar, neben der – engelgleich – ein Kind schwebend der Schwerkraft zu trotzen scheint. Allesamt Figuren, die eine abgehobene, zu Herzen gehende Stimmung erzeugen und für das Auge des Betrachters zunächst höchst rätselhaft bleiben.

Es sind die Unterwasser-Fotografien der Londoner Fotografin Zena Holloway, deren Bilder voller zauberischer Leichtigkeit im Übergangsbereich zwischen Tauch- und Fantasy-Fotografie angesiedelt sind, stets begeisterte Blicke auf sich ziehend. Zusammen mit anderen Motiven der Künstlerin gehören sie zur Innendekoration des „Kameha Grand Bonn“, das Ende letzten Jahres seine Tore öffnete.

Gelegen am Rheinbogen der östlichen Bonner Rheinseite mit Blick auf die romantische Bergkette des Siebengebirges, gilt es seither als eine der ersten Adressen in Deutschland. So erhielt es im März 2010 nicht nur den „Oscar“ der deutschen Immobilienwirtschaft, sondern wurde wenig später auch noch mit der höchsten Auszeichnung der Hotellerie im deutschsprachigen Bereich als „Hotel des Jahres 2011“ ausgezeichnet.

Einmal wegen seiner ausgefallenen Lage in der Bonner Uferlandschaft, in die es sich architektonisch mit seiner wellenförmigen schlichten Außenfassade harmonisch einfügt. Etwas Besonderes, etwas Einmaliges sollte entstehen auf dem Industriegrundstück eines ehemaligen Zementwerks. Und dieses Ziel hat der Bonner Architekt Karl-Heinz Schommer offensichtlich erreicht.

Hinzu kommt die innenarchitektonische Ausgestaltung durch den Interior-Designer Marcel Wanders. Sein Anliegen war es, dem Gebäude bei aller schlichten Eleganz doch gleichzeitig mit den verschiedensten Accessoires ein barockes Aussehen zu verleihen in der Bandbreite zwischen Byzantinismus und Alice in Wonderland. Jeder, so sein Anliegen, soll im öffentlichen Bereich seinen individuellen Lieblingsplatz finden, sodass der sonst in der Hotellerie so häufig anzutreffenden Langeweile ein für allemal Hausverbot erteilt werden kann.

Und ein weiterer Gesichtspunkt erweckt neuerdings Aufmerksamkeit, der geeignet ist, das „Kameha Grand Bonn“ zu einem rechtsrheinischen Kultur- und Kunstzentrum erstehen zu lassen. Als originelle Ergänzung zu der Bonner Museumslandschaft mit ihrem Kunstmuseum Bonn sowie der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland auf der anderen Rheinseite.

Es ist dies die Berufung der Kuratorin und Eventmanagerin Sabine Weichel zu einer Kunst- und Kulturbeauftragten des „Kameha“. Ein kühner Schritt, mit dem das Hotel – wohl als erstes in Deutschland – sich sogleich als Trendsetter in diesem Bereich präsentiert. Denn es ist fortan die Aufgabe von Sabine Weichel, an diesem Ort Ausstellungen, Konzerte und Events rund um das Thema Kunst zu planen und zu organisieren. Eine für sie in dieser Form neue und dazu höchst attraktive Aufgabe, die – wie sich im Gespräch zeigt – ihre Fantasie bereits jetzt auf Touren bringt.

So kann sie sich gut vorstellen, unter dem Dach des „Kameha“ die vielfältigsten Personen und Kunstrichtungen zusammen zu führen: vom Maler, Musiker und Installationskünstler bis hin zum Literaten, Wirtschaftsexperten und interessierten Kunstliebhaber der Region, der natürlich zu den Vernissagen und Events eingeladen ist.

Denn es ist, wie sie betont, ihre Passion, „die Kunst zu den Menschen zu bringen, um Menschen Kunst nahe zu bringen“. Aus diesem Grund will sie das Haus mit vielfältigen intellektuellen, künstlerischen und emotionalen Inhalten füllen. Ein hoher Anspruch, der schon in diesem Jahr in einem ersten Versuch verwirklicht werden soll.

Denn für die Vorweihnachtszeit ist eine Ausstellung des französischen Malers Jean-Marc Huss vorgesehen, der bereits vor mehreren Jahrzehnten in Thailand seine neue Heimat gefunden hat. So erstaunt es nicht, dass sich der Künstler intensiv mit dem Buddha-Motiv auseinandergesetzt hat, dem er sich bei seiner Malerei in einer originellen Mischung aus Kunstfotografie und Steinplastik nähert.

Eindrucksvolle und aussagekräftige Gemälde, die nach Angaben des Künstlers einführen in die meditative Welt des Buddhismus. Gleichzeitig jedoch sind sie Türöffner für zukünftige Kunsterlebnisse im neuen Kunst- und Kulturzentrum „Kameha Grand Bonn“.    

Hallenarie bis Habanera

Kehraus-Konzert im Bonner Opernhaus

Von Dr. Bernd und Cecilie Kregel

War es Zufall oder eine gekonnte Anspielung auf die zurzeit überregional wohl bekannteste Bonner Immobilie? Ein verschmitztes Augenzwinkern war allenthalben unübersehbar, als die „Hallenarie“ aus Richard Wagners „Tannhäuser“ erklang, leidenschaftlich vorgetragen von Ingeborg Greiner in der Rolle der Elisabeth.

Wollten die Programmgestalter des diesjährigen Kehraus-Konzerts in der Bonner Oper am Ende der Spielzeit noch einmal aufmerksam machen auf die verpasste Chance der Stadt, sich eine neue Konzerthalle schenken zu lassen? Zumindest ist es nicht auszuschließen an diesem festlichen Abend, an dem die Gourmets der Opernliteratur die Höhepunkte der letzten Spielzeit noch einmal als Appetithäppchen auf einem silbernen Tablett serviert bekamen.

Nun schon das zweite Mal in Folge, sodass sich inzwischen schon der Beginn einer liebenswerten musikalischen Tradition abzeichnet. Ein künstlerisches Großaufgebot, in dessen Rahmen sich Interpreten und Zuhörer bei Kunstgenuss und humoristischen Einlagen offensichtlich ein weiteres Stück näher gekommen sind.

Einfühlsam und ergreifend vorgetragen auch das Lied an den Abendstern aus derselben Oper, in dem sich Lee Poulis mit eindringlichem Bariton einer höheren Instanz anvertraut. Ähnlich gefühlsbetont auch Julia Kamenik, die als Leos Janaceks Katja Kabanowa bereits die ganze Spielzeit hindurch ihr Zerbrechen an einer gefühllosen und grausamen Umwelt nachvollziehbar gemacht hatte.

Demgegenüber die Tenorarie „La donna e mobile“ aus Giuseppe Verdis „Rigoletto“, die trotz ihrer ernsthaften Thematik mit ihrer eingängigen Melodie einen Stimmungsumschwung vorbereitete. Bis hin zu George Bizets ansteckendem „Carmen“-Vorspiel, gefolgt von der Habanera, in verführerischem Mezzosopran vorgetragen von Anjara Bartz.

Und gegen Ende eine weitere Gefühlsdusche beim Gegensatz von Franz Lehars „Die lustige Witwe“, in der Julia Kamenik und Mirko Roschkowski sich bei „Lippen schweigen“ ihre Liebe gestehen. Im Unterschied zu dem Dialog aus Eugene d’Alberts „Der Golem“, in dem Ingeborg Greiner und Mark Morouse in bedrückender Atmosphäre verzweifelt eine Antwort auf die Frage versuchen: „Unbewegt – warum hattest du dich gewehrt?“

Insgesamt eine Anthologie des Opernrepertoires, das darüber hinaus im ersten Teil auch Ausschnitte aus Sergej Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“ (Egbert Herold), Andreas Schmittbergers „Die chinesische Nachtigall“ (Kinderchor), Mozarts „Don Giovanni“ (Mirko Roschkowski) Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ (Daniela Denschlag, Mark Rosenthal) und Giuseppe Verdis „La Traviata“ (Irina Oknina, George Oniani, Anjara Bartz, Johannes Flöge, Egbert Herold) umfasste.

Im zweiten Teil gefolgt von Gaetano Donizettis „Der Liebestrank“ (Mirko Roschkowski, Giorgos Kanaris) und „Salome“ von Robert Stolz, eine schwüle Handlung, bei der dem Beethoven Orchester Bonn unter seinem Dirigenten, Generalmusikdirektor Stefan Blunier, die musikalische Umsetzung der emotionalen Tiefgründigkeit hervorragend gelang. Blunier wechselte sich an diesem Abend ab mit Christopher Sprenger und setzte so die Tradition fort, den Kehraus vom Pult aus nicht allein zu bestreiten.

Hervorragend auch der Opernchor, der u.a. beim Prolog und der Schlussszene von Sergej Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“ seine Klangfülle entfaltete. So erzwang der begeisterte Applaus eine von allen Solisten vorgetragene humoristische Version des ewig jungen „O sole mio“, zu der auch das Publikum eingeladen war. Insgesamt ein Abschlussabend, der bereits neugierig macht auf das Programm der nächsten Spielzeit.

Zauber der Manege

Zirkus Charles Knie auf großer Deutschlandtournee

Von Dr. Bernd und Cecilie Kregel

Nirgendwo sonst auf der Welt werden so große Zirkusträume wahr wie in dem kleinen Monaco. Denn eine Auszeichnung beim Internationalen Circusfestival von Monte Carlo ist hier ebensoviel wert wie anderswo die Verleihung eines Oscars. Wer sie in Form eines silbernen oder goldenen Clowns erhält, hat damit den Gipfel des artistischen Olymps erklommen und ist aufgestiegen in die Spitzengruppe der circensischen Götter.

Alexander Lacey hat es geschafft. Mit der Auszeichnung für seine große gemischte Raubkatzen-Dressur ist er heute einer der Shooting-Stars am internationalen Zirkushimmel. Doch selbst als einer der besten Tierlehrer der Gegenwart sieht er es realistisch: „Du kannst sie trainieren, aber du kannst sie nicht zähmen“, lautet seine Devise. Und jeder Besucher seiner aufregenden Raubtier-Schau glaubt ihm das aufs Wort.

Der Großzirkus Charles Knie ist seine gegenwärtige Heimat. Hier findet er die Gelegenheit,  in einem der schönsten Zirkusprogramme der Gegenwart während einer Deutschlandtournee durch fünfzig Städte die Zuschauer teilhaben zu lassen an der hohen Kunst der Tierdressur. Und ihnen dabei etwas vom Zauber der Manege zu vermitteln, der schon immer geeignet war, Menschen emotional in eine andere Welt zu entführen.

Diesem hohen Anspruch haben auch alle anderen Programmstücke zu genügen. Darbietungen sollen es sein, die in dieser Form in Deutschland noch nicht zu sehen waren. Und genau das ist den Veranstaltern bei ihrer Auswahl bestens gelungen. So entfaltet sich im Verlauf der „Reise um den Globus in 150 Minuten“ ein Kaleidoskop von Menschen, Tieren und Sensationen, wie es hierzulande in dieser Fülle kein zweites Mal anzutreffen ist.

Edle Pferde und exotische Tierarten aus aller Welt wechseln sich ab mit vorwitzigen kalifornischen Seelöwen, die unter Anleitung der bezaubernden Mona in einer fröhlichen Flossenshow ihr sicheres Gespür für Späßchen aller Art unter Beweis stellen – als versierte Jongleure, Balance-Künstler, Handstandartisten und flotte Stepptänzer.

Und dann Kenneth Huesca aus Italien, der die Kunst des Bauchredens für den Zirkus neu entdeckt und zu einer unglaublichen Perfektion entwickelt hat. Der witzig-freche Paradiesvogel Starsky ist sein Gesprächspartner, wenn nicht gerade einzelne Zuschauer aus dem Publikum von ihm aufs humoristische Glatteis geführt werden.

Ganz anders die Gruppe Nistorov mit ihrer rasanten Rollschuhnummer. Auf einer kleinen runden Plattform beweisen die vier Geschwister aus Italien ihr außergewöhnliches Koordinationsvermögen, indem sie auf Rollschuhen ein unglaubliches und Atem beraubendes Tempo vorlegen. Ein seltenes Genre der Zirkusartistik, mit dem sie sich bereits in die Weltspitze hinauf katapultiert haben.

Rasant auch die brasilianische Gruppe „Flying Mendonca“ auf ihrem Flugtrapez, zwar klassisch, aber doch modern verpackt. Ihre Saltos und Pirouetten unter der Zirkuskuppel lassen den Atem stocken. Abschließend darf natürlich der dreifache Salto Mortale nicht fehlen. Brasilianisches Temperament und eine unglaubliche Präzision verleihen der Vorführung jedoch stets einen Hauch von Mühelosigkeit und Leichtigkeit.

So hat sich Zirkus Charles Knie inzwischen zu „einer der ersten Zirkusadressen in Deutschland“ entwickelt, wobei alle traditionellen Elemente der Zirkus-Kunst in einem modern choreographierten Programm vereint sind. Und nicht zuletzt ist es die bezaubernde Atmosphäre innerhalb und außerhalb der Manege, die die Aufführung zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lässt.

www.zirkus-charles-knie.de

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Die Gier nach dem Gold

Wagners „Ring“ in der Kölner Oper

Von Dr. Bernd und Cecilie Kregel

 

 

 

 

 

 

Foto: Dirigent Markus Stenz, Sisi Burn

Foto: Wotan als Bauherr, Klaus Lefebvre

Weihevoll beziehen die Blaublütigen ihre neue Immobilie. Ohne Eigenkapital hatte Göttervater Wotan sie in Auftrag gegeben und dabei darauf spekuliert, dass ihm der Coup, notfalls mit List und Tücke, gelingen werde. Er, der Hüter der Verträge, setzt auf windige Geschäfte und schreckt dabei nicht zurück vor brutaler Gewalt. Moral? Fehlanzeige! Verantwortung? Keine Spur! Nur die Gier nach dem Gold und der Macht treiben ihn an. Koste es, was es wolle.

Nie war er so aktuell wie heute: Wagners „Ring“ mit seiner Analyse der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. So gewinnt die bewährte Kölner Inszenierung von Robert Carsen bei ihrer gegenwärtigen Wiederaufnahme eine unverhoffte Brisanz. Sind mit dem Einzug in Walhall die zurück liegenden Probleme gelöst? Oder bricht doch noch eine zerstörerische „Götterdämmerung“ herein, die alles und alle mit hineinreißt in den Strudel des Abgrunds? Eine apokalyptische Vision, von Kapitalismus-Kritiker Wagner sicherlich nicht unbeabsichtigt und bei der gegenwärtigen Finanzkrise vom Gegenstand her nicht grundsätzlich auszuschließen.

Allen voran Obergauner, pardon: Obergott Wotan, überzeugend dargestellt von Greer Grimsley. Stimmlich bestechend, überzeugt er, selbst gefangen im Labyrinth widriger Umstände, an allen Fronten, die sich für ihn auftun. So im Streit mit Ehefrau Fricka (Dalia Schaechter), die ihn nachdrücklich zum Kompromiss zwingt, wenn sie – wie im Fall von Siegmund und Sieglinde – ihren Zuständigkeitsbereich als Hüterin der Ehe unterlaufen sieht.

Aus diesem Streit entwickelt sich auch der Konflikt mit seiner Lieblingstochter Brünnhilde, die den von Flicka erzwungenen halbherzig erteilten Befehl ihres Vaters nicht ausführt und Siegmund im Zweikampf mit Hunding (Mikhail Petrenko) schont. Äußerst überzeugend als Brünhilde Evelyn Herlitzius, die als außergewöhnlich jugendlich wirkende Walküre die frenetischen Beifallsbekundungen des Publikums auf sich zieht.

Und schließlich die Auseinandersetzung mit Alberich (Oliver Zwarg), dem gegenüber sich Wotan wegen der unterschiedlichen gesellschaftlichen Position zu nichts verpflichtet weiß. Auch Alberich, der stets Gedemütigte, ist allzeit bereit, kräftig auszuteilen: Rücksichtslos gegenüber den Rheintöchtern (Jutta Böhnert, Regina Richter, Katrin Wundsam) unterwirft er sich seinen Bruder Mime (Martin Koch) und behandelt seine Untergebenen wie Arbeitssklaven (Leitung Statisterie: Martina Pohl).

Nur der gerissene Loge (Carsten Süß), mit alle Wassern gewaschen, schwebt mit seinen Ratschlägen zwischen den Fronten und weiß listigen Rat selbst dann, wenn Obergott Wotan mit seinem Latein am Ende ist. So geht die kriminelle Beschaffung des Goldes zur Entlohnung der ungeschlachten Walhall-Erbauer Fafner (Ante Jerkunica) und Fasolt (Kurt Rydl) zurück auf seine Anregung – womit sich der Kreis zum gegenwärtigen skrupellosen Umgang mit fremden Kapital schließt. Und womit sich der „Ring des Nibelungen“ als Symbol für den Kreislauf der ewigen Gier wieder einmal bewährt hätte.

Insgesamt eine Inszenierung wie aus einem Guss (Bühne und Kostüme: Patrick Kinmonth) unter der musikalischen Leitung des Kölner Generalmusikdirektors Markus Stenz, der äußerst engagiert sein Gürzenich-Orchester zu schlanker und durchsichtiger Wagner-Wiedergabe inspiriert. Auch ihm gelten die Standing Ovations, mit dem sich das Publikum für die großartige Gesamtleistung bedankt.

Und die ist gegen Ende der laufenden Spielzeit zugleich eine Generalprobe. Denn im September wird die gesamte Kölner „Ring“- Produktion in Shanghai anlässlich der dortigen Weltausstellung mit nahezu fünfhundert Mitwirkenden als ein nicht zu überbietender Kultur-Höhepunkt zur Aufführung gebracht.

Zusammenprall der Kulturen oder gemeinsame Kapitalismus-Kritik im Zeitalter der Globalisierung? Oder sogar die ebenfalls in der Inszenierung enthaltene Naturverantwortung als zentrales Thema? Auf die chinesische Reaktion darf man gespannt sein. Zu wünschen bleibt dem Kölner Opernensemble eine erfolgreiche Aufführung in Fernost. Loge, so heißt es, sei den  Anderen bereits voraus geeilt.

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Fotos: Brigitte Maria Mayer

Passionsfieber in Oberammergau

Neue Akzente in einem alten Spiel

 Von Dr. Bernd Kregel

Hoch aufgerichtet steht er da, eine stattliche Figur durch und durch - der Hohepriester Kaiphas. In seinem langen weißen Gewand und zusätzlich überhöht durch eine imponierend aufragende zylindrische Kopfbedeckung, füllt er die fünfzig Meter breite Bühne mit seiner Präsenz und zieht dadurch wie selbstverständlich die Blicke der fünftausend Zuschauer auf sich. Denn mit dem Hohen Rat hinter sich und dem Statthalter Pontius Pilatus vor sich kämpft er wie ein Löwe gegen den unscheinbaren „Wanderprediger“ Jesus von Nazareth, der ihm beim Ringen um die Sympathiewerte im Volk bereits gefährlich nahe gekommen ist.

Mit bürgerlichem Namen heißt Kaiphas jedoch Anton Preisinger. Und normalerweise stehen nicht die religiösen und machtpolitischen Belange von Jerusalem im Mittelpunkt seines Interesses. Vielmehr sind es die Gäste seines renommierten Hotels in der Dorfstraße von Oberammergau, dem er in langer Traditionskette als Juniorchef vorsteht. Schon sein Vater Anton spielte bei früheren Aufführungen eine gewichtige Rolle. Und ebenso sein Großvater, ebenfalls Anton, der als Jesus-Darsteller des Jahres 1960 längst Eingang gefunden hat in den Oberammergauer Passionsspiel-Olymp. Nun wartet bereits ein Anton Preisinger der vierten Generation auf seinen Einsatz bei der nächsten Aufführung im Jahr 2020.

Wie bei den Preisingers verhält es sich in vielen Familien der von hohen Bergen umrahmten bayerischen Gemeinde an der Ammer. Hier vererbt sich nicht nur das Kunsthandwerk des Holzschnitzens vom Vater auf den Sohn, sondern auch die Schauspielkunst von einer Generation auf die andere. Eine Tradition, die zurück reicht in das Jahr 1633. In jene Zeit, als im Dreißigjährigen Krieg die Dorfbewohner in der Hoffnung auf gnädige Errettung vor der Pest das Gelübde ablegten, regelmäßig Passionsspiele aufzuführen. Ein Versprechen, an das man sich in Oberammergau nun schon seit Jahrhunderten gebunden weiß, in diesem Jahr bereits zum 41. Mal.

So ist es heute nicht mehr die Pest, die die Menschen ansteckt, sondern vielmehr das Fieber der großen gemeinsamen Aufgabe, das hier von den Dorfbewohnern Besitz ergreift. Zweitausend Mitwirkende sind es auch in diesem Jahr. Nicht mitgerechnet all jene, wie zum Beispiel David in seinem Studio nahe der Stadtkirche Peter und Paul, der weder in Oberammergau geboren wurde noch die Mindestwohnzeit von zwanzig Jahren vorweisen kann. „Beim nächsten Mal“, so gesteht er mit leuchtenden Augen, sei er „auf jeden Fall dabei“.

Wer bereits in diesem Jahr dazu gehört, den erkennt man unschwer an seinem Bart und an den lang gewachsenen Haaren, die für den Bühnenauftritt unbedingt dazu gehören – selbst wenn die Bärte, wie es heißt, in alten Zeiten noch mächtiger und prächtiger die Gesichter der Schauspieler überwucherten. Sicherlich hat sich der Geschmack über die Jahrzehnte hinweg geändert. Aber haben es auch die Erwartungen des Publikums, das in einer Anzahl von mehr als einer halben Million bis in den Oktober hinein jeweils sechs Stunden lang die Passionsgeschichte durchlebt und durchleidet?

Noch immer ist es die Einmaligkeit der Handlung, die bereits seit dem frühen Mittelalter die westliche Kultur geprägt hat und dadurch im kollektiven Unbewussten des christlichen Abendlandes fest verankert ist. Zugleich aber ist es das Rätselhafte, ja Mystische, das sich einer schnellen Erklärung entzieht und gerade aus diesem Grund in die Tiefenschichten des Einzelnen vordringt, sei er nun gläubig oder nicht.

„Spielleiter“ Christian Stückl, der bereits als jüngster Regisseur Einzug hielt in die Passionsspiel-Annalen, setzt im Hinblick auf ein modernes Passions-Verständnis eigene Akzente. So vermeidet er gezielt den  traditionell im Stück angelegten Antisemitismus. Vielmehr verlegt er den Hauptkonflikt anschaulich hinein in das Judentum der damaligen Zeit. In die Auseinandersetzung um die Person Jesu, ausgetragen durch die Hauptgegenspieler Kaiphas und Nikodemus. Ein spannender Streit, wie man ihn in dieser Ausführlichkeit und Intensität nirgendwo sonst jemals miterlebt hat.

Ein thematischer Schwerpunktwechsel betrifft auch die Person Jesus selbst. Der ist natürlich, bei  aller schauspielerischen  Zurückhaltung seines Darstellers Frederik Mayet, immer noch die Hauptfigur der Passionsgeschichte. Doch er präsentiert sich nicht mehr wie bei früheren Aufführungen zunächst als der zornige junge Mann, der mit Gewalt die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel treibt. Vielmehr führt er sich ein als charismatischer Lehrer, der mit seinen spektakulären Seligpreisungen den inhaltlichen Rahmen seiner Botschaft vorgibt und damit die Voraussetzung schafft für die kontroversen Positionen.

So liegt der Focus für Spielleiter Christian Stückl nicht mehr so sehr auf dem Opfertod Jesu und der daraus sich ableitenden Rechtfertigung des Sünders, selbst wenn die Kreuzigungsszene in ihrer dramatischen Anschaulichkeit zu den Höhepunkten der Aufführung gehört. Vielmehr ist es die Lehre Jesu vom Reich Gottes verbunden mit dem alle Gesetzlichkeit überragenden Liebesgebot, die sich wie ein roter Faden durch das Stück hindurch zieht.

Ein besonderer Coup gelingt Stückl auch mit der Verlegung des zweiten Aufführungsteils in die Abendstunden hinein. Bereits in der Vorpremiere wird deutlich, wie die Dunkelheit mit sparsam gesetzten Lichteffekten der Handlung eine größere Überzeugungskraft abgewinnt als das Tageslicht.

Neutralisierend im  bewegten Handlungsablauf wirkt mit seiner liturgischen Schlichtheit der Chor, der wie in der griechischen Tragödie mit seinen kommentierenden und meditativen Einschüben die Schwerpunkte des Geschehens reflektiert. Umso aufgebrachter wirken dagegen die Szenen mit dem Volk. Besonders dann, wenn es sich, manipuliert durch die Priesterschaft, hinein steigert in ein mit seiner Dramatik kaum zu überbietendes „Kreuzige!“, wodurch das noch wenige Stunden zuvor mit Begeisterung herausgerufene „Hosianna!“ mit noch größerer Lautstärke gleich wieder beiseite gefegt wird.

Bei einem solchen „Passionsfieber“ sind die größten und weltweit bekanntesten Passionsspiele zweifellos auch auf Zukunft hin angelegt. Denn wer wollte bestreiten, dass selbst in kirchenkritischen Zeiten eine zeitgemäße Auslegung des christlichen Passionsgeschehens auch weiterhin interessierte Zuschauer in ihren Bann zieht?

www.passionsspiele2010.de        

Jahreskonzert des Musikvereins

begeistert Publikum

HBB. Bevor das Konzert begann, begrüßte herzlich der 1. Vorsitzende des Bonn-Duisdorfer Musikvereins, Roland Rosenfelder, die vielen Gäste und Ehrengäste zum Jahreskonzert in der Aula des Helmholtz-Gymnasiums. Er stellte dabei kurz das Orchester vor.

Dirigent Jürgen Albrecht gab zu den Stücken eine kurze Einführung und begeisterte die Zuhörer mit Musikstücken, die dem Publikum zu Herzen gingen. So wurden sowohl sinfonische Stücke wie auch vermeintlich „alte Märsche“ zu einem echten Erlebnis und bleiben sicherlich den Zuhörern in langer und guter Erinnerung.

Das Jahreskonzert des Musikvereins Bonn-Duisdorf hat mittlerweile gute Tradition in Duisdorf und ist sehr beliebt, das beweisen alljährlich die vielen Zuhörer. Dirigent Jürgen Albrecht nahm mit seinen Musikern die Musikfreunde im voll besetzten Saal mit auf eine Reise durch verschiedene Musikrichtungen und Musikepochen. Das Musikprogramm in diesem Jahr war weit gefächert: es bestand aus sinfonischer Blasmusik, für Blasorchester adaptierte Stücke klassischer Komponisten, hier durfte in Bonn natürlich Beethoven nicht fehlen. Originalkompositionen für Blasorchester: ein Höhepunkt war „Highlights From Hook“ von J. Williams, hier wurden die Melodien aus dem Oscar-prämierten Disney-Film „Hook“ in einem prächtigen Arrangement verwoben. Natürlich kamen die jüngeren Konzertbesucher nicht zu kurz: Denn das Programm umfasste auch Stücke wie „Let Me Entertain You“, ein Medley von Robbie Williams Songs und „Heal The World“ von Michael Jackson bis hin zu den Märschen „Gruß an Kiel“ und „Revue Marsch“, die wohl eher das ältere Publikum ansprachen.

Eigentlich nicht verwunderlich, dass die Musikerinnen und Musiker anhaltenden Applaus bekamen. Denn sie hatten mit ihrem Dirigenten Abrecht ein Musikprogramm geboten, dass zur Spitzenklasse gehörte. Und was ganz wichtig war: Musik für jeden Geschmack!

Der Musikverein Bonn-Duisdorf ist ganz einfach nicht mehr aus dem Ortsgeschehen wegzudenken!

Sie möchten sich über den Musikverein informieren oder gar Mitglied werden, dann klicken Sie ganz einfach bei http://www.musikverein-duisdorf.de rein.

Firma als Falle

Ergreifende „Katja Kabanowa“ in der Bonner Oper

Von Dr. Bernd und Cecilie Kregel

Foto ist von Thilo Beu und zeigt Irina Oknina als Katja Kabanowa.

Unwirtlich wirkt die Szenerie auf dem Betriebshof der Firma an der Wolga. Wandhoch aufgestapelte Paletten wirken wie Gefängnismauern, und von der dunklen Wasserfläche auf dem Firmenhof scheint eine ständige Bedrohung auszugehen. Ein „Gewitter“, so der Titel des zugrunde liegenden Dramas von Alexander Ostrowsky, verstärkt die Atmosphäre der Ungeborgenheit und des Ausgeliefertseins.

Das Bühnenbild von Csaba Antal bestätigt eindrucksvoll die Stimmung, wie sie unter den handelnden Personen vorherrscht, die in diesem Gefängnis leben, das nur wenige Schlupflöcher aufzuweisen hat. Durch Heirat ist Katja Kabanowa (Irina Oknina) in diese Falle hinein geraten. Denn die Kabanicha (Daniela Denschlag), ihre Schwiegermutter, lässt keine Gelegenheit aus, ihre Schwiegertochter zu demütigen und zu isolieren, um ihren Sohn Tichon (Mark Rosenthal), der Katja wirklich liebt, in das einstige Abhängigkeitsverhältnis zurückzuführen.

Nur Varvara (Susanne Blattert), der Tochter der Kabanicha, und ihrem Freund Kudrjas (Tansel Akzeybek) gelingt es, dieser schwülen Atmosphäre zu entfliehen. Für Katja jedoch nimmt das Unheil einen geradezu schicksalhaften Verlauf. Warum, so wäre zu fragen, befreit sie sich nicht ebenfalls aus dieser verhängnisvollen Situation?

Sie jedoch wird ein Opfer der menschlichen Verstrickungen, von denen die russische Literatur des 19. Jahrhunderts so ausführlich zu berichten weiß. Statt ihrem Schicksal zu entfliehen, lässt sie sich vielmehr in Abwesenheit ihres Ehemannes auf ein Liebesabenteuer mit Boris (George Oniani) ein, das natürlich nicht geheim bleibt und ihre Ausweglosigkeit, ja sogar ihren Untergang besiegelt.

Ein Handlungsverlauf, der eine große Bandbreite menschlicher Emotionen beleuchtet und unaufgeregt die Unzulänglichkeiten Einzelner im Spannungsfeld zwischen aufopfernder Liebe und rücksichtslosem Machttrieb beleuchtet. Mit seinem wunderbar dicht formulierten Libretto bringt Leos Janacek das Anliegen Ostrowskys meisterhaft auf den Punkt.

Und natürlich mit seiner Komposition,  die die dramatische Stimmung musikalisch untermalt. Begeisternd auch Will Humburg als engagierter Dirigent, der mit dem glanzvoll und zugleich sensibel aufspielenden Beethoven Orchester Bonn in den filigran ausgearbeiteten Musikkosmos Janaceks hineinführt. Dieser anspruchsvollen Leistung entspricht überzeugend der Chor des Theaters Bonn unter der Einstudierung von Sibylle Wagner.

Auch die Lichtregie Max Karbes nutzt ihre Möglichkeiten, den Gefängnischarakter der Szenerie zu verdeutlichen. Durch originelle Platzierung der Lichtquellen und eine gelungene Auswahl von Farbimpulsen werden unterschiedliche Tageszeiten im Fluss-Firmen-Ambiente erkennbar. Besonders wenn die kräuselnden Wellenmuster der Wolga sich allenthalben auf den Bühnenflächen widerspiegeln.

So ist Balazs Kovalik, wie der begeisterte Applaus beweist, mit seiner Bonner Inszenierung ein großer Wurf gelungen. Denn er schafft es, die bereits am Anfang überzeugend aufgebaute Spannung durchzuhalten bis zum bitteren Ende und dabei die menschlich verqueren und schmerzhaften Situationen für den Betrachter nachvollziehbar zu machen.

Als besonders gelungen erweist sich dabei die Schlüsselstelle des Werkes, der allmählich sich ankündigende Seitensprung Katjas mit Boris, der schließlich ihren Tod in der Wolga und seine Versetzung nach Sibirien begründet. Beide erbringen dabei eine großartige sängerische und schauspielerische Leistung.

Weitere Aufführungen: 14. Mai, 5., 13., 19. und 25. Juni 2010.

Labyrinth der Leidenschaft

„Love and other Demons“ in der Oper Köln

Von Dr. Bernd und Cecilie Kregel

Fotos von Paul Leclaire

Ein Pater verliebt sich in eine ihm anvertraute Zwölfjährige. Und sie sich in ihn – eine verbotene Liebe, die entdeckt wird und Bestrafung nach sich ziehen muss. Das gegenwärtig durch aktuelle Anlässe äußerst geschärfte Gerechtigkeitsempfinden müsste sich bestätigt sehen. Und dennoch schlägt die Geschichte von Gabriel Maria Marquez dem Zeitgeist ein Schnippchen.

Sie ist die Handlungsgrundlage der im Jahr 2008 in Glyndebourne uraufgeführten Oper „Love and other Demons“ des modernen ungarischen Komponisten Peter Eötvös, die nun auch im Rahmen der „Musiktriennale Köln 2010“ unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Markus Stenz in der Kölner Oper ihre Premiere feierte. Gemessen an den Beifallsstürmen des Premierenpublikums sicherlich eine der interessantesten und herausragendsten Produktionen dieser Spielzeit.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die zwölfjährige Sierva Maria, um die herum sich in der magisch geprägten kolumbianischen Welt des 18. Jahrhunderts das Gerücht verdichtet, besessen zu sein. Father Caetano Delaura, vom Bischof beauftragt, die Dämonenaustreibung vorzubereiten, ist bereits auf den ersten Blick geradezu besessen von einer Liebe zu ihr, aus deren Labyrinth heraus es für ihn kein Entrinnen mehr gibt.

Doch im Unterschied zur heutigen kritischen Einstellung gegenüber Verfehlungen solcher Art, ruht die Sympathie des Publikums auf dem Liebespaar. Es ist eine Beziehung zwischen kindlicher Unbefangenheit und körperlichem Ausgeliefertsein, die in ihrer Vielschichtigkeit von Anna Palimina als Sierva Maria und Miljenko Turk als Father Caetano Delaure in jeder Phase der hochdramatischen Situation bis hin zum bitteren Ende sensibel und menschlich nachvollziehbar durchdekliniert wird.

Dagegen die kirchliche Autorität in der Person des Bischofs Don Toribio, der die angeblich sündhafte Beziehung nach deren Entdeckung augenblicklich und rücksichtslos beendet. Denn für ihn geht es hierbei  nicht nur um sinnliche Lust, sondern vielmehr um übersinnliche dämonische Kräfte, die es zu bannen gilt, koste es was es wolle. Unglaublich überzeugend in dieser exorzistischen Rolle der stimmmächtige Vladimiras Prudnikovas, der zugleich die tragische Verfangenheit seiner Person in der kirchlichen Dogmatik jener Zeit zum Ausdruck bringt.

Hochkarätig besetzt auch die Rolle des Don Ignazio, des Vaters von Sierva Maria, durch René Kollo. In seiner Person verdichtet sich das menschliche Leiden sichtbar und hörbar bis hin zur Unerträglichkeit. Gilt es doch für ihn, den Tod der geliebten Ehefrau, den vermeintlichen Aberglauben sowie die angebliche Besessenheit seiner Tochter zu beklagen. Unübertroffen der sensible Vollzug ihrer Beisetzung allein durch die Bewegung zweier Fingerspitzen, wodurch das Streuen von Erde auf den toten Körper angedeutet wird.

Überaus intensiv im Vortrag und in der schauspielerischen Umsetzung auch Dalia Schaechter, die sich in der Rolle der Äbtissin Josefa Miranda schließlich stellvertretend für das kindliche Opfer den sie umgebenden Dämonen überantwortet. Begeisternd auch Adriana Bastidas Gamboa als Martina Laborde, die gefangen und schuldbeladen wegen einer früheren Verfehlung wie ein Irrlicht durch das Frauenklöster geistert.

Höchst überzeugend nicht zuletzt auch Jovita Vaskeviciute als die eingeborene Dienerin Dominga de Adviento sowie John Heuzenroeder als der freigeistige Arzt Abrenuncio, der dem zerstörerischen Dämonenglauben in kritischer Distanz und dennoch hilflos gegenüber steht.

In Höchstform schließlich das Gürzenich-Orchester und der Chor der Oper Köln, die sich unter der engagierten Leitung von Markus Stenz in Anwesenheit des Komponisten offensichtlich bewusst sind, mit den teils ungewohnten Klängen moderne Musikgeschichte vorzutragen.

Bei einem Bühnenbild und bei Kostümen von Helmut Stürmer, die mit einfachen Mitteln dennoch überzeugend wirken und dazu beitragen, die Inszenierung von Silviu Purcarete in den Status eines Gesamtkunstwerks erheben.

Weitere Vorstellungen: Do 06. Mai, Sa 08. Mai, Mi 12. Mai, So 16. Mai, Mo 24. Mai 2010.

„Diva Delight“ rettet die Pleiteoper

Musikkabarett vom Feinsten im Kulturzentrum Hardtberg

Von Dr. Rene Bantes

Mit ihrem neuen Programm „Opera Bankrotta“ gastierte das Ensemble „Diva Delight“ im Kulturzentrum Bonn-Hardtberg. Erzählt wird eine kleine Geschichte von einem kleinen Opernhaus, das pleite ist. Nur zwei Sängerinnen und der Kapellmeister, Moderator und Pianist Manfred Schümer, sind noch da. Alles müssen sie nun selber machen, ab und zu schickt der Intendant aus der Ferne eine Mail mit Anweisungen für das Programm. Und die zwei Soprane, Dawn Marie Flynn (Foto links) und Nicole Wolke (Foto rechts), legen los, singen alles was daherkommt, große Oper, Schlager, Musical. Auf der Bühne zieht sich Nicole Wolke sogar als Mann um und singt den Tenor in „Lippen schweigen“ von Lehar. Herrlich auch die Persiflage auf die Carmen „Habanera“ und das Zickenduell bei „O sole mio“.

Das Publikum lacht und applaudiert mehrfach auf offener Szene. Dann wird es plötzlich mucksmäuschenstill, wenn sie singen „In my daughters eys“ und den Abbatitel „Durch meine Finger rinnt die Zeit „ und manches Tränchen fließt.

Auch ein Mann aus dem Publikum wurde auf die Bühne geholt und muss die herrliche Anmache der Sängerinnen als „keuscher Josef“ ertragen. Sein Lohn: tosender Applaus.

Es ist einfach die Mischung zwischen Kabarett und tollen Stimmen, die Diva Delight ausmacht. Auch wenn viel Spaß gemacht wird, bleibt das Trio der Musik stets treu. Und wenn Dawn Marie Flynn die Arie „The last rose“ aus der Oper „Martha“ oder Nicole Wolke die Puccini Arie der „Tosca“ sangen, konnte man eine Stecknadel fallen hören.

Das Publikum dankte dem Trio mit begeistertem Applaus und natürlich kamen sie ohne Zugabe nicht davon.                                                    Foto: Stefan Sirrenberg

 

Gefeierter „Rosenkavalier“ in Köln

Glanzvoller Auftritt von Dame Kiri Te Kanawa

Von Dr. Bernd und Cecilie Kregel

Foto: Paul Leclaire 

                 Foto: John Swannell

Die Parallelität der Situation ist unübersehbar. Auf der einen Seite die Marschallin, die im Überschwang des nächtlichen Liebesabenteuers mit Octavian bei Wahrnehmung ihres eigenen Alters in einem plötzlichen Gefühlsumschwung die Zeit als ein „sonderbar Ding“ reflektiert: „Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie.“

Auf der anderen Seite die Interpretin der Marschallin, die neuseeländische Star-Sopranistin Dame Kiri Te Kanawa. Als Tochter eines Maori-Vaters und einer irischen Mutter führte eine großartige Opernkarriere sie schnell ganz weit nach oben auf die großen Opernbühnen der Welt. Mehrere Jahrzehnte lang arbeitete sie dort zusammen mit den besten Orchestern und Dirigenten – ein Werdegang, der sich unter künstlerischem Gesichtspunkt wohl kaum noch steigern lässt.

Nun aber werden Vermutungen laut, die Künstlerin habe ihre drei Bühnenauftritte in der Kölner Oper bewusst gewählt, um sich aus der internationalen Opernwelt musikalisch zu verabschieden. Ein Entschluss, der bei ihrer geradezu liebevollen Verbundenheit mit dem Kölner Opernpublikum über die Jahre hinweg auch sofort einleuchtet. Und doch ist es vorerst nur eine Pressemitteilung, die von der Sängerin nicht bestätigt wird. Was sollte es – ähnlich wie bei der Marschallin – schon schaden, sich für alle Fälle ein Hintertürchen offen zu halten?

So endet die erste der beiden Kölner „Rosenkavalier“-Aufführungen in einem wahren Triumph. Fast so, als wollten ihre Verehrerinnen und Verehrer mit ihren anhaltenden Beifallskundgebungen sie nicht allein für ihre einfühlsame  sängerische Leistung sowie ihre geradezu unglaubliche Bühnenpräsenz belohnen. Hier legt sich vielmehr der Eindruck nahe, als fordere man sie indirekt auf, allen Gerüchten um ein baldiges Ende ihrer Karriere doch energisch entgegen zu treten.

Doch auch die anderen Interpreten haben ihren Anteil am glänzenden Erfolg dieses Abends. Vorneweg der Isländer Bjarni Thor Kristinsson als Baron Ochs auf Lerchenau. Mit seiner lüsternen Dreistigkeit setzt er einen gelungenen Kontrapunkt zu der Marschallin, die im Gegensatz zu ihm natürlich genau weiß, was sich für eine Standesperson schickt.

Je mehr er sich in den Sumpf der Geschmacklosigkeiten verheddert, umso größer ist schließlich auch die unvermeidbare Blamage, der er sich jedoch lautstark und selbstgerecht zu entziehen weiß. Besonders an seiner Person wird deutlich, mit welcher psychologischen Akribie Hugo von Hofmannsthal die einzelnen Charaktere seiner Textvorlage ausleuchtet.

Dies trifft auch zu auf Octavian (Claudia Mahnke) und Sophie (Jutta Böhnert), die sich nach all den Irrwegen der Handlung schließlich in einem wunderschön vorgetragenen Duett ihre Liebe eingestehen und damit die Marschallin und den Baron als Partner hinter sich zurück lassen. Überzeugend auch Sophies Vater, der aufstiegshungrige und karrieresüchtige Herr von Faninal (Jan Buchwald), der sich als düpierter Schwiegervater dann aber doch stimmgewaltig in sein Schicksal fügt.

Der Dank des Publikums gilt natürlich auch dem Gürzenich-Orchester Köln und seinem Gastdirigenten, dem Schweden Patrik Ringborg. Als Generalmusikdirektor am Staatstheater Kassel gab er mit diesem „Rosenkavalier“ sein Hausdebüt an der Oper Köln. Mit starker Präsenz und musikalischem Feingefühl empfahl sich der noch sehr junge Dirigent nicht nur als Strauß-Interpret, sondern auch für weitere Einladungen des Hauses.

Insgesamt eine „runde“ Inszenierung von Günter Krämer, dem langjährigen Generalintendanten der Kölner Bühnen und dazu ein Opernabend, der nicht nur Maßstäbe setzte, sondern auch der Dame Kiri Te Kanawa den Rückzug von der Opernbühne – wenn er denn kommen sollte – zweifellos erleichtert haben dürfte. „In diesem Sinne: Farewell Dame Kiri! And: Da capo!“ Diesen guten Wünschen aus dem Programmheft ist nichts hinzuzufügen.

Weitere Konzertabende mit Kiri Te Kanawa: „Der Rosenkavalier“, Sa,17.4.10, 18.30 Uhr und „Liederabend“, Sa, 24.4.2010, 19.30 Uhr, Kartentelefon 0221-22128400.

Klavierakrobatik auf schwingendem Flügel

Steinway-Artist Joja Wendt in musikalischem Höhenflug

Von Dr. Bernd Kregel

Entertainer Joja Wendt

„Das Beste am Klavier“ will Entertainer Joja Wendt dem Publikum in seinem neuen Soloprogramm bieten. Ein Konzert mit dem Anspruch, nicht nur unterhaltsam, kurzweilig und abwechslungsreich zu sein, sondern darüber hinaus auch atemberaubend virtuos. Die Wahl seiner Stücke orientiert sich dabei allerdings nicht an allgemeinen Kriterien, sondern entpuppt sich als subjektive Auswahl mit biografischen Zügen: all jene Erfolgsstücke, die den begeisterten Musiker auf seinem Weg zum Starpianisten begleitet haben oder einen Bezug herstellen zu einer seiner bisherigen Lebensphasen.

Der musikalische Bogen spannt sich dabei vom klassischen Repertoire über den Jazz bis hin zum Boogie Woogie – ein Abend füllender Parcours, den Wendt bei aller erforderlichen Virtuosität spielerisch mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit meistert. Bis hin zu den vom Schwierigkeitsgrad her „unspielbaren“ Carmen-Variationen, die Vladimir Horowitz viele Jahre lang für sich allein gepachtet zu haben schien. Und hier zieht nun mit perfekter Anschlagtechnik und nahezu unvorstellbarer Geläufigkeit einer seiner Bewunderer scheinbar mühelos an ihm vorbei.

Nicht minder versetzen die virtuos vorgetragenen Jazzpassagen nach dem Vorbild von Art Tatum, Oscar Peterson und Teddy Wilson sowie Dave Brubecks mit vollem Körpereinsatz vorgetragenes „Take Five“ das Publikum in Erstaunen. Denn auf einer großen Leinwand im Bühnenbereich kann es jederzeit mitverfolgen, in welchem Geschwindigkeitsrausch die Finger über die 88 Tasten huschen, die Hände dabei teils parallel, teils überkreuzt.

Bei Rimski-Korsakows „Hummelflug“ versagt bei geradezu unfassbarer Hand-Akrobatik die Kamera, die bei dieser Geschwindigkeit nicht mehr in der Lage ist, die Konturen der wirbelnden Hände einzufangen. Und selbst dabei lässt Wendt die Gelegenheit nicht aus, im Publikum für Heiterkeit zu sorgen, als sich plötzlich Rauchschwaden aus dem Flügel heraus verbreiten. Schnell wird jedoch klar, dass dieser Effekt nicht ausgeht von überhitzten Klavier-Anschlaghämmern, sondern vielmehr von einer unsichtbar installierten Nebelmaschine.

Auch sonst lässt Wendt keine Gelegenheit aus, mit Witz und hanseatischem Charme im Publikum für Stimmung zu sorgen. Als er beispielsweise seinen auf hydraulischen Stelzen ruhenden Steinway-Flügel zu einem klapprigen und unberechenbar schwankenden VW-Bus umfunktioniert, in dem er früher einmal – beladen mit einem Klavier – bei jugendlichem Leichtsinn die Alpen in Richtung Italien überquerte und dabei offensichtlich ohne Schieben nicht auskam.

Oder als er sich bei Gershwins „Rhapsody in Blue“, ohne den Spielfluss zu unterbrechen, um 180 Grad dreht und in Rückenlage selbst virtuose Passagen weiterspielt. So etwas schaffte vor ihm angeblich nur Wolfgang Amadeus Mozart, als er am Kaiserlichen Hof  in Wien sein außergewöhnliches Können demonstrierte. Aber Wendt kann es auch im Stehen, mit den Fäusten und – unglaublich genug – sogar mit der Nase. Und stets hat er dabei den Schalk im Nacken, der seine Wirkung auf das begeistert reagierende Publikum nicht verfehlt.

Spätestens bei Isaac Albéniz’ „Asturias“ reißt es die Zuhörer mit lautstarkem Applaus von den Stühlen, als seine Finger als graue Schatten zu einer einzigen Bewegung verschmelzen und er, um einen Banjo-Effekt zu erzielen, mit den Händen in den Kasten seines Flügels hineingreift. Optisch wird er bei alldem unterstützt von einer phantasievollen Lichtregie, die bei einer Zigeunermelodie mal kurz ein stimmungsvolles Lagerfeuer an die Bühnenwand zaubert oder als „Albtraum eines Pianisten“ in kontrastierendem Schwarzweiß die ihn umgebende Kulisse in eine verunsichernde Schwingung versetzt.

Als eine der größten Überraschungen des Abends dient  jedoch ein angebliches rumänisches Volkslied, dessen unverständlichen Dreizeiler Wendt mit seinem Publikum in einer fremdartig anmutenden Melodie einstudiert. Beim Abspielen des auf Tonträger gespeicherten Ergebnisses vom Ende her entpuppt sich das Ganze jedoch völlig überraschend als Schillers „Ode an die Freude“ aus Beethovens Neunter. Hat der große Komponist aus Bonn etwa gemogelt?

Egal. Denn im Mittelpunkt des Erlebnisses steht ein Abend, der sich mit Originalität und hohem Unterhaltungswert nahtlos einfügt in die seit fast einem Jahrzehnt im Bonner Opernhaus veranstaltete Reihe „Quatsch keine Oper“, die noch in dieser Spielzeit mit weitern Höhepunkten aufwartet. Es folgen Paul Panzer (10.4.), Hagen Rether (15.5.), Andreas Vollenweider (18.6.) sowie Dieter Hildebrandt und Roger Willemsen (20.6.) Tel. 0228-778008.

Himmlische Dissonanzen

Das Kölner Gürzenich-Orchester interpretiert Wagner und Messiaen

Von Dr. Bernd und Cecilie Kregel

Fotos: Markus Hoffmann (links) und Catrin Moritz (rechts)

Was schmerzt mehr als eine verbotene Liebe, die unerfüllt bleiben muss? Richard Wagner und Mathilde Wesendonck können gleich fünf Lieder davon singen. Denn beide sind schon verheiratet und ihr sehnsüchtiges gegenseitiges Verlangen bleibt daher unbefriedigt. Nur in den „Wesendonck-Liedern“ finden sie zusammen, zu denen sie die Texte und er die Musik beisteuert.

Ursprünglich entstanden als „Fünf Gedichte für Frauenstimme und Klavier“, schuf Felix Mottl später eine Orchesterfassung, die dem von Wagner intendierten Charakter der unerfüllten Sehnsucht ohne Abstriche gerecht wird. So auch die Gesangssolistin des Konzerts in der Kölner Philharmonie, Nancy Weißbach, die die gefesselten Emotionen bis hin zur Todessehnsucht mit gezügelter Inbrunst zum Ausdruck bringt. Zum Beispiel in „Stehe still!“ beim Kampf mit der hektisch voraneilenden Zeit, der sie im „selig süßen Vergessen“ alle Liebeswonnen abtrotzen möchte.

Und doch waren die „Wesendonck-Lieder“ für Wagner kein Selbstzweck. Vielmehr betrachtete er sie, besonders die Teile „Im Treibhaus“ und „Träume“ als Vorstudien zu „Tristan und Isolde“, seiner Oper über die zwei Liebenden, die in ähnlich schicksalhafter Verstrickung miteinander verwoben sind bis hin zum Liebestod als letzter Vollendung.

Bereits in der Konzerteinleitung, dem Vorspiel zu „Tristan und Isolde“, wird deutlich, dass Wagner die geradezu unerträgliche Spannung der Handlung musikalisch mit dem Überschreiten der traditionellen Tonalität zum Ausdruck bringt. Gleich zu Beginn in einer Tonfolge, die einmündet in den berühmten „Tristanakkord“, den Oboe, Englischhorn, Klarinette und Fagott des Gürzenich-Orchesters in geradezu schmerzlicher Begleitung wunderbar umhüllen. Und dabei – von Wagner so gewollt – die Dissonanzen nicht auflösen sondern perpetuieren.

Wird dadurch gar das Schmerzhafte der unerlösten Beziehung durch bisher in der Musikgeschichte nicht gehörte Klänge in eine überirdische Sphäre transponiert? Genau an diesem Punkt überschneiden sich die Werke Wagners und Messiaens, dem die zweite Hälfte des Konzerts gewidmet ist. Und der sich in der Nachfolge „Tristans“ ebenfalls vor Dissonanzen nicht scheut. Doch wo Wagner im „Liebestod“ die Wirklichkeit lediglich transzendiert, da macht Messiaen die Religiosität geradezu zur Kompositionsgrundlage. So in seinem Werk „L’Ascension (Die Himmelfahrt). Vier Meditationen für Orchester“.

Eine ansteigende melodische Folge im ersten Satz verdeutlicht die Geste des Bittens, die gleichsam den Kontakt zum Göttlichen herstellen soll. Im zweiten Satz dagegen dominiert ein jubelndes Halleluja, angestimmt von den Bläsern, die mit Obertönen und hohen Frequenzen die Annäherung an das Licht zum Ausdruck bringen. Erst dann folgen die Geiger, die den Boden vibrieren lassen und damit den Blick zurücklenken zur Natur.

Diese begegnet vor allem als Vogelgezwitscher, von Messiaen akribisch auskomponiert und von Englischhorn, Oboe und Klarinette wundervoll ausgestaltet. Und dann im dritten Satz ein weiteres, fanfarengleich von den Trompeten vorgetragenes Halleluja, das sich – für Werke der musica sacra eher ungewöhnlich – in freudigem Tanz entlädt. Gekrönt von einer Orchesterfuge, die in ihrer durchstrukturierten Form  die Verlässlichkeit des Glaubens zum Ausdruck bringt.

Und schließlich im vierten Satz das Gebet Christi zum göttlichen Vater, eingeleitet durch verschwommene Klänge aus dem Dunkel der Erde, die – wie bereits im Eingangsteil – in aufsteigender Tonfolge bis in die Vibration des klaren Lichts vordringen: dissonant-ätherisch mit einem abschließenden unglaublich schönen Streicher-Klangteppich.

Insgesamt ein Programm, das in der einfühlsamen und klangstarken Interpretation des Gürzenich-Orchesters (Foto) mit seinem Gastdirigenten Jun Märkl (Foto oben links) zu einem ausgefallenen und vom Publikum umjubelten Hörerlebnis wird.

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