Duisdorf  -  im Wandel der Geschichte

 
Duisdorf, idyllisch am Fuße des Hardtberges, zwischen den Ausläufern der Eifel und dem Rheinstrom gelegen, bei den Geschichtsschreibern aufgrund des kleinen Ortes nicht sonderlich beachtet, gehörte früher mit Oedekoven, Gielsdorf und Meßdorf zur Pfarre des heiligen Laurentius in Lessenich.
 

1200 Jahre - Ersterwähnung von Duisdorf

Die erste urkundliche Erwähnung von Duisdorf findet sich  - leider nur noch als urkundliche Abschrift der Original-Urkunde aus dem Jahr 804 - heute im Eingangsbereich des Rathauses in Duisdorf. Sie stammt von dem 1579 im Alter von beinahe 50 Jahre verstorbenen Kölner Patrizier, Ratsherrn und Altertumsforscher Lic. iuris Johann Helmann. Die Original-Urkunde ist vermutlich im Tuchseßschen Krieg verloren gegangen.

 
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 [+]    Abschrift der Original-Urkunde zum Ansehen
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++ Übersetzung zum Nachlesen
 
Die Chronik verzeichnet, dass sich das Rittergeschlecht der Dodis, Dudes oder Deus (Dius) hier etabliert hatte und sich so der Name des kleinen Ortes von Dudesdorf zum Duisdorf entwickelte. Bereits um das Jahr 1350 liest man erstmalig von den Rittern von Dudisdorp, amtierender Schöffe von Bonn. Weiter weiß man zu berichten, dass ein Ritter mit dem gleichen Namen genau am 23. Oktober 1428 mehrere Güter an das Cassiusstift in Bonn verkaufte. Die frühere Wasserburg "Burg Medinghoven". Adelssitz in Duisdorf, begüterte bis 1834 den Grafen von Westerhold. Zwischenzeitlich, so mutmaßt man, sei zur Zeit Ludwigs XIV. dieser herrliche Herrensitz zerstört worden.
1900 -  Kloster in Duisdorf1900 -  Kloster in Duisdorf
 
Der neue Besitzer, Baron Wilhelm von Neuffille, ließ das Gebäude neu errichten. Und in den Jahren 1917 bis 1918 teilte man das rund 500 Morgen große Gut auf: Pächter Josef Böcker, Amtsbürgermeister und später Ehrenbürger von Duisdorf, kaufte den Hof mit den Ländereien sowie die Burg mit dem herrlichen Park, den exotischen Sträuchern und Bäumen, ging in den Besitz des Industriellen Dr. Adolf Spilker über. Die Römer fanden sehr schnell heraus, dass Duisdorf über reine kalklose Wasserquellen verfügt. Sie leiteten das kostbare Nass in Tonröhren zum damaligen Kastell Bonn. Kurfürst Joseph Clemens (1688 - 1723) ließ die letzte Wasserleitung im Jahre 1715 installieren.
 
1910 - Rochusstraße
 
Den "Kurfürstenbrunnen", wie er heute genannt wird, ziert an der Giebelwand des Backsteinbrunnenhauses das kurfürstliche Wappen in Stein gemeißelt: In der Mitte liegen sich zwei Rautenfelder und zwei nach links springende Löwen gegenüber. Umrahmt ist der Schild von einer Krone, einem Schwert und einem Bischofsstab.
 
Aus den lateinischen Aufzeichnungen eines Pfarrers aus Lessenich, namens Niederkrüchten, geht hervor, dass hessische Truppen vier Jahre lang als Berserker auftraten: In Lessenich äscherten sie am 26. Juli 1645 die Kirche mitsamt der Pfarrwohnung sowie zahlreiche Häuser ein. 22 Häuser etwa wurden in Duisdorf und Oedekoven der Erde gleich gemacht. Einige Bürger wurden in Ketten gelegt und verschleppt.
 
1920 - Rochusschule
 
Der kleine Ort Duisdorf mit seinen rund 600 Einwohnern erlitt um 1665 einen weiteren Schicksalsschlag: Der Ort wurde von der Pest befallen und nur knapp 300 Bürger überlebten diese teuflische Seuche. Bestattet wurden die Toten an der Lengsdorfer Straße. Denn um 1850, beim Ausbau des damaligen Lengsdorfer Weges, fand man zahlreiche menschliche Überreste. Daher auch die Gründung der Rochuskapelle, die als Dank für die Rettung aus der epidemischen Krankheit zu Ehren des Pestheiligen Sankt Rochus erbaut wurde. Mit dem Bau der Bonn-Euskirchener Straße, der heutigen B 56, in den Jahren 1822 bis 1824 wurde Duisdorf an den Verkehr angeschlossen.
1920: Duisdorfer Bahnhof
 
Und am 7. Juni 1880 hatten die Duisdorfer wieder einmal Grund zum Feiern, und zwar wurde zu diesem Zeitpunkt die Eisenbahnlinie Bonn-Euskirchen eröffnet. Somit war der Grundstein gelegt - aufgrund der hervorragenden Verkehrsverbindungen - die Wirtschaft anzukurbeln. Doch zuvor versuchten sich die Duisdorfer als Winzer. 184 Kölner Morgen zählte anfangs des vorigen Jahrhunderts der Rotweinanbau. Bereits um 1830 schrumpfte der Anbau von Rotwein auf 134 Morgen zusammen und wurde mehr und mehr durch die Getreide- und Gemüsewirtschaft verdrängt. Schließlich rodeten den letzten Weinberg in Duisdorf die Gebrüder Adolf und Matthias Schurz im Jahre 1899, so wissen die Historiker zu berichten.
Dennoch hat man in Duisdorf den edlen Rebensaft nie verschmäht und erinnerte sich an frühere Zeiten des Weinanbaus: So fand am 12. und 13. Oktober 1963 erstmalig in Duisdorf ein Weinfest statt, das nunmehr traditionell alle zwei Jahre zahlreiche Bürger aus Duisdorf und der Umgebung anlockt und freudig stimmt. Sie werden nicht selten von der herrlichen Kleinstadtatmosphäre suggeriert. Duisdorf weiß seine Gäste zu empfangen, zu bewirten, aber auch zu unterhalten. Über 30 Vereine, die dem Ortsfestausschuss von Duisdorf angeschlossen sind und aus den benachbarten Orten, sorgen für die Unterhaltung schlechthin.
 
 
Der Duisdorfer nimmt die Dinge leicht und gewinnt allem eine heitere Seite ab. Das Leben hat für ihn einen ganz besonderen Sinn ... er lebt es ganz einfach! Tanzveranstaltungen, Konzerte, Ausstellungen, Sportveranstaltungen, Straßenfeste und vieles andere mehr werden hier geboten und immer wieder neues passiert im kleinsten Bonner Stadtteil Hardtberg (Duisdorf). Nicht  umsonst wächst dieser Stadtteil Zusehens und zählt heute annähernd mehr als 30.000 Einwohner. So manchen Abend saß ich beim Bier, unterhielt mich mit diesen oder jenen und gewann viele Freunde. Dabei erzählte so mancher einen Streifzug durch die Geschichte Duisdorfs. So auch vom "Duisdorfer Essel", der inzwischen zum Wappentier von Duisdorf avancierte und mittlerweile als Statue den Schickshof ziert.
 
 
 

 
IMPRESSIONEN: Das Wappentier von Duisdorf
 
 
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Fotos: K.D. 
 
 
Kurz beleuchtet sei der Hintergrund zur Geschichte zum Wappentier: "Der Duisdorfer Esel". Zwischen den Orten Oedekoven, Lessenich und Duisdorf befand sich eine Wassermühle. Zu dieser Mühle trotteten täglich die Bürger mit ihren Eseln, voll bepackt mit Getreide. Zurück nahm man den gleichen Weg, mit dem Mehl im Huckepack. Da aber Duisdorf über zwei Esel verfügte, verkündigte man lauthals: "Die Duisdorfer Essele kommen!"
 
Gemeint waren nicht nur die zwei grauen Gesellen, sondern auch ihre Begleiter. Somit hatten die Duisdorfer auch ihren Spitznamen weg. Noch heute spricht man vereinzelt von den "Duisdorfer Essele", insbesondere bei Auswärtsspielen der Hardtberger Fußballer oder auch den Mattenspezialisten der olympischen  Sportart.
 
Der Duisdorfer Ortsfestausschuss (OFA) hat sich schon immer dafür eingesetzt, dieses Eselsdenkmal an herausragender Stelle aufzustellen. Am Anfang dieser Idee bekam man nicht die nötige Aufmerksamkeit, ja man stand ihm teilweise skeptisch und ablehnend gegenüber. Aber der Ortfestausschuss machte Nägel mit Köpfen. Man startete eine große Sammel- und Spendenaktion bei den Duisdorfer Bürgern, den Geschäftsleuten und anderen Instituten. Das Ehrenmitglied des OFA Rudi Fröhlich fertigte eine Eselsstatue aus Pappmaché und Sperrholz. Mit diesem provisorischen Esel zog man durch Duisdorf,  um zu den verschiedenen Anlässen und Ereignissen für ein Eselsdenkmal Spenden einzusammeln. Letztendlich hatte man die erforderliche Summe beisammen. In dem Künstler Hellmut Moos fand man einen kompetenten Gestalter der Figur. Und so wurde im April 2004 die Eselsfigur durch den Steinmetz Günter Floßdorf aus Bonn-Ückesdorf am Rande des Schickshof aufgestellt.  
 
Einige der Bilder in diesem Stadtteil-Porträt sind das Ergebnis solcher Begegnungen. Freilich fühlen sich auch die Neu-Duisdorfer, ob sie sich nur kurz oder auch länger hier etablieren, in der verträumten, ländlichen Idylle, des kleinsten Stadtteils von Bonn, sichtlich wohl. Wenn es den Einheimischen darum ging, ihren ganz besonderen Blick in den Ort zu geben, waren sie mit Eifer dabei. Hierbei wurde immer wieder deutlich, dass die Architektur einige Jahrhunderte nicht nebeneinander steht, sondern ineinander verschmilzt - harmonisch zueinander passt.
 
Duisdorf, aus dem der kleinste Stadtteil von Bonn Hardtberg hervorgeht (rund 30.000 Einwohner), ist ein liebenswerter Ort, in dem man wieder zu sich selbst finden kann - eine Oase der Ruhe und Geborgenheit. Eigentlich nicht verwunderlich, warum sich das HbB-Team hier so "sauwohl" fühlt.
 
 
 
 

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Luftaufnahmen Duisdorfer City 1970
       
[+] Blick Duisdorf - Rochusstraße  [+] Blick Duisdorf - Mitte